Aus einer handschriftl. Autobiographie des jüngeren Bruders
Heinrich Wolfgang ist bekannt, dass der Vater eine strenge pädagogische Hand führte
u. sich darauf verlegt hatte, verfallene Güter zu kaufen, wieder aufzubringen
u. nach mehreren Jahren mit Gewinn wieder zu verkaufen. Es ist daher ungeklärt,
warum B. nach Vollendung seiner Studien in Leipzig,
durch die Vermittlung Gellerts, eine Stelle als Hofmeister im gräflich
Lindenauschen Hause annahm (1765-1767); in jener Zeit war er mit Goethe bekannt.
B. wurde 1767 aus dem Hofmeisterdienst entlassen und kam, wieder durch
Gellerts Empfehlung, nach Dessau, wo er bis 1773 Erzieher des jungen Grafen
Franz von Waldersee war, danach Erzieher des Erbprinzen Friedrich von
Anhalt-Dessau.
1789 soll er sich ins Privatleben zurückgezogen haben. Als verdienstvoll wird
ihm angerechnet, dass er den Herzog Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau
auf Basedow, nachmaligen Gründer des Philanthropismuss, aufmerksam machte.
Als Schriftsteller ist B. eigentlich nicht in Erscheinung getreten. Wohl soll er
viel geschrieben haben, doch hatte er eine unüberwindliche Abneigung gegen die
Veröffentlichung seiner Schriften. Außer einem Opernlibretto, einigen
Gelegenheitsgedichten, Inschriften für Statuen in den Gartenanlagen von Dessau
ist seine Mitarbeit an einem Teutsch-französischen Wörterbuch der Jägersprache
[...] zu erwähnen.
Die eigentliche "Bedeutung" Behrischs beruht in der Tatsache, daß er
in Leipzig Goethes Mentor war u. als der Katalysator für den ersten großen
Entwurf des dichterischen Werks wirkte. Goethes berühmter Brief an B. vom 10.
11. 1767 kann als Etappe auf dem Weg zum Werther gelten