| Anna Amalia Herzogin von
Sachsen-Weimar-Eisenach geb. am 24. Oktober 1739 in Wolfenbüttel
gest. am 10. April 1807 in Weimar
Anna Amalia wurde am 2.10.1739 als braunschweigische Prinzessin im Schloß Wolfenbüttel geboren. Sie war das fünfte der 13 Kinder von Carl I., Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel und Philippine Charlotte, geborene Prinzessin von Preußen. Am Hof in Wolfenbüttel und Braunschweig erlebte Anna Amalia ein ausgeprägtes kulturelles Leben. Ihr Vater Carl I. förderte als aufgeklärt-absolutistischer Herrscher Kunst, Musik und Theater sowie den Ausbau des Schul- und Hochschulwesens im Land. |
Herzogin Anna Amalia, Kupferstich von B. Goepffert.- In: Thomas
Kopfermann, Dietrich Steinbach,
Epochenzentrum Weimar - Jena, Leipzig 2002 |
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| Diese Erfahrungen prägten Anna Amalias spätere Politik als
Regentin in Weimar. Ihre Ausbildung erfolgte jedoch nicht im Hinblick
auf eine spätere Herrschertätigkeit. Für sie war die Rolle der
Ehefrau eines Fürsten und Mutter der Kinder vorgesehen. Trotzdem
erhielten die Töchter des Herzogs am Braunschweiger Hof eine ebenso
vielfältige und gründliche Ausbildung wie ihre Brüder. Das war zu
dieser Zeit nicht an jedem Herzogshof üblich.Noch vor ihrem
dritten Lebensjahr übernahm der Abt Jerusalem, ein Berater des Herzogs,
die Aufsicht über die Erziehung von Anna Amalia. Die Prinzessin hatte
wie ihre Geschwister ein anstrengendes Unterrichtspensum zu bewältigen.
Dazu gehörten die Naturwissenschaften und Sprachen (Deutsch, Latein,
Englisch, Französisch), auch Geschichte, Geographie und Religion.
Außerdem hatte sie Zeichen- und Tanzunterricht, erlernte mehrere
Musikinstrumente, das Komponieren sowie die strengen Regeln des
Hofzeremoniells. Am 16. März 1756 wurde die geborene Welfin von ihrem
Vater mit dem 18jährigen Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach vermählt.
In ihren Lebenserinnerungen schreibt Anna Amalia dazu: „Man
verheiratete mich so, wie man gewöhnlich Fürstinnen vermählt."
Durch diese frühe Heirat wollte ihr Ehemann, der kränkliche Ernst
August II. Constantin, die Erbfolge seines Hauses sichern. Die Hochzeit
fand am prunkvollen Hof in Braunschweig statt. Danach fuhren die jungen
Eheleute in das kleine Provinzstädtchen Weimar, der Residenz der
Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach. Die junge Herzogin fand dort einen
verwahrlosten Herzogshof vor. Durch die Misswirtschaft und die Bauwut
des vorigen Herzogs Ernst August I.
war das kleine Land völlig verarmt. Der Siebenjährige Krieg zwischen
Preußen und Österreich, den Friedrich der Große wenige Monate nach
der Hochzeit Anna Amalias im August 1756 eröffnete, brachte weitere
wirtschaftliche Belastungen für das Herzogtum mit sich. Bis zum
Kriegsende 1763 überzogen wechselnd französische, russische und
preußische Truppen das Land. Sachsen-Weimar-Eisenach musste für den
Unterhalt der Soldaten aufkommen und wurde dadurch stark in
Mitleidenschaft gezogen. Bereits im Jahr nach ihrer Hochzeit brachte
Anna Amalia den ersehnten Erbprinzen zur Welt. wurde am 3. September
1757 geboren. Noch bevor ihr zweiter Sohn Constantin am 8. September
1758 geboren wurde, verstarb nach nur zweijähriger Ehe im Mai 1758 ihr
Mann Ernst August. In einem Testamentszusatz hatte er seine Ehefrau Anna
Amalia zur alleinigen Vormünderin des Erbprinzen Carl August erklärt.
Bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes sollte sie im Herzogtum
Sachsen-Weimar-Eisenach die Regierungsgeschäfte führen. Dafür musste
die achtzehnjährige Herzogin, die noch nicht mündig war, zuerst selbst
vom Kaiser die Volljährigkeitserklärung erhalten. Bis zum Erhalt der
Mündigkeit sollte ihr Vater in Braunschweig die Regentschaft
übernehmen. Stellvertretend für ihn führte Graf Bünau, der unter
Ernst August II. Constantin der erste Minister des Landes gewesen war,
die Verwaltung des Herzogtums. Anna Amalia konnte sich in dieser Zeit
auf ihre Tätigkeit als Regentin vorbereiten. Am 9. Juli 1759 übernahm
sie im Alter von 19 Jahren von Graf Bünau die Regierungsgeschäfte. In
ihrer Regierungserklärung heißt es: „Die Regentin will nach dem
Exempel Ihres hochverehrten Vaters Gnaden sich die Mühe nicht
verdrießen lassen, alles mit eigenen Augen zu sehen, Ohren zu hören,
und einem jeden aufmerksames Gehör geben." Rückblickend schrieb
Anna Amalia über diese Zeit: „„ In meinem 18ten Jahre fing die
größte Epoche meines Lebens an; ich wurde zum zweitenmal Mtter, wurde
Witwe , Obervormünderin und Regentin." Ihre Regierungstätigkeit
begann die junge Herzogin mit Einsparungsmaßnahmen, um die Folgen des
Siebenjährigen Krieges und früherer Misswirtschaft zu beheben. Anna
Amalia versuchte auch, Weimar ein städtisches Aussehen zu geben. Sie
ließ beispielsweise die Scheunen innerhalb der Stadt abreißen und
Straßenlampen aufstellen. Mit der Einrichtung einer Freischule
versuchte sie, die Lebensumstände der ärmeren Bevölkerung zu
verbessern. Die Regentin eröffnete eine Hebammenschule, um die hohe
Mütter- und Kindersterblichkeit einzudämmen. Wichtig war ihr trotz
der finanziellen Misere des Staates die Förderung der Künste und
Wissenschaften. Ab 1761 ließ sie das „Grüne Schlösschen", ein
fürstliches Wohnhaus, zum Bibliotheksgebäude umgestalten. 1766 zog die
frühere Bibliothek aus dem Stadtschloss in das neue Gebäude. Damit war
eine öffentliche Nutzung des reichen Bestands der Bibliothek möglich.
Die Regentin förderte auch die Universität in Jena. Anna Amalia
richtete 1771 im Schloss einen Theatersaal ein, in dem mehr als die
Hälfte der Sitze für die Bürgerschaft geöffnet waren, und engagierte
immer wieder Theatergruppen. Sie holte den Dichter Musäus nach Weimar,
der auch für ihr Theater schrieb und mit einer Volksmärchensammlung
berühmt wurde. Neben ihrer Regierungstätigkeit war der Herzogin vor
allem die Erziehung ihrer Söhne wichtig. 1772 holte sie den
Philosophieprofessor und Dichter Christoph Martin Wieland als Erzieher
für den fünfzehnjährigen Carl August nach Weimar. Wieland, der 1766
mit der „Geschichte des Agathon" den berühmtesten Roman
seiner Zeit veröffentlichte, zog weitere Dichter an.. Am 3.9.1775
übergab Anna Amalia die Regierungsgeschäfte an ihren volljährigen
Sohn Carl August. Am Ende ihrer Regentschaft war Sachsen-Weimar-Eisenach
ein relativ schuldenfreies und gut verwaltetes Herzogtum. Damit hatte
Anna Amalia die finanzielle Grundlage für die Entwicklung Weimars zu
einem geistigen und kulturellen Zentrum geschaffen. Nach der Abtretung
als Regentin konnte sich die Herzoginmutter ihren Interessen im Bereich
der Literatur, Kunst und Musik widmen, für die sie während der
Regentschaft nur wenig Zeit gehabt hatte. Das Wittumspalais, in das sie
nach dem Schloßbrand 1774 eingezogen war, wurde nun einer der
Mittelpunkte Weimars. Hierhin lud sie Wieland, Goethe, Herder und andere
Dichter, Künstler und Gelehrte zur „Tafelrunde" ein. Im
Theatersaal des Hauses fanden die Aufführungen des Liebhabertheaters
statt. 1788 begab sich Anna Amalia mit beinah fünfzig Jahren auf eine zweijährige Italienreise, was für Frauen ihres Standes damals nicht üblich war. Auf den Weg nach Rom begleiteten sie ihre Hofdame Luise von Göchhausen, ihr Kammerherr von Einsiedel und ein Arzt. Herder schloss sich in Rom der kleinen Reisegruppe an. Wieder zurück aus Italien schrieb Anna Amalia einige kleine Abhandlungen, z.B. über das „Verhältnis der Geschlechter" und „Gedanken über die Musik". Außerdem komponierte und zeichnete sie und hielt weiter ihre geselligen „Tafelrunden" ab. Die letzten Lebensjahre der Herzogin waren durch die Auswirkungen der napoleonischen Kriege geprägt. Im Oktober 1806 rückten die Preußen in Weimar ein, kurz darauf die Franzosen. Das Wittumspalais blieb unbeschädigt, Schloss Tiefurt wurde jedoch geplündert. Wenige Monate nach der Schlacht von Jena und Auerstedt verstarb Anna Amalia am 10. April 1807 nach kurzer Krankheit. Die Herzogin wurde auf eigenen Wunsch in der Stadtkirche beigesetzt. Ihr Grabmal war das letzte in dieser Kirche, denn zu dieser Zeit wurden die Verstorbenen bereits auf dem Stadtfriedhof bestattet. Goethe würdigte Anna Amalia in seinem Nachruf: „Der Lebenslauf der Fürstin verdient mit und vor vielen andern sich dem Gedächtnis einzuprägen, besonders derjenigen, die früher unter ihrer Regierung und später unter ihren immerfort landesmütterlichen Einflüssen manches Guten teilhaft geworden und ihre Huld, ihre Freundlichkeit persönlich zu erfahren das Glück hatten."
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| Georg Melchior Kraus, Literarische Geselligkeit bei der Herzogin Anna
Amalia von Weimar, um 1897: Das Bild einer außerordentlich
konzentrierten Runde wird geboten; die reduzierte Schmucklosigkeit des
Interieurs lässt den schweigsamen und zugleich hochkommunikativen
Vorgang selbst hervortreten. Auf unterschiedliche Weise nämlich sind
die hier Sitzenden alle produktiv - lesend, hörend, malend, stickend.
Eine Atmosphäre privater Geborgenheit geht von dem Bild aus, in der sich gespannte, interessierte Konzentration und lockere, unverkrampfte Gelassenheit mischen. Illustre Gestalten Weimars sitzen hier beisammen, im Bild allesamt erkennbar porträtiert. Zu nennen sind: Goethe (3. von links), Anna Amalia (Bildzentrum), Eliza,Charles und Emily Gore, ein englischer Kunstliebhaber mit seinen beiden Töchtern, den Anna Amalia in Italien kennengelernt hatte und der seit 1791 in Weimar lebte; Louise von Göchhausen (1752-1807), eine spottlustige, scharfsinnige Gesellschafterin, Hofdame und Vertraute Anna Amalias, begeisternde Unterhalterin und Vorleserin, die in der Mansarde des Wittumspalais wohnte; und (am rechten Bildrand) Herder. Zu der Runde gehörte natürlich auch der Maler Kraus selbst (1733-1806), der in enger Freundschaft zu Goethe stand und seit 1780 Leiter der Zeichenschule war. Hier lebte, las, sprach, spottete, urteilte das Zentrum des Musenhofes (zu dem Wieland ebenso zählte wie Knebel, der Prinzenerzieher von Carl Augusts jüngerem Bruder Constantin, und die Kammerherren von Einsiedel und von Seckendorff). Im Mittelpunkt dieser geistigen Residenz stand, die hier wie ein bescheidenes Hausmütterchen wirkt, die geistreiche und stets ebenso anregende wie Neuem gegenüber aufgeschlossene Herzogin Anna Amalia. |
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